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Donnerstag, 20.09.2018

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Nocky Flitzer im Angsthasen Test

Ich sitze in einem Gefährt, das sie Rodel nennen. Der Gurt liegt straff an meinem Körper. Mit meinem Schihelm sehe ich beinahe aus wie Sebastian Vettel. In den Fahrzeugen vor mir warten meine zehnjährige Tochter sowie ihre gleichaltrige Cousine auf das Startsignal. Die Spannung steigt. Das Herz pocht. Meine erste Fahrt mit dem Nockyflitzer beginnt: Jetzt!

Die ersten Meter sind glücklich überstanden, da geht es schon in eine recht beachtliche Kurve. So etwas erschreckt einen Routinier wie mich nicht, ich bin schon des Öfteren auf ähnlichen Bahnen unterwegs gewesen. Okay, auf deutlich kürzeren Distanzen – und vor allem: Entschuldigung, was ist das da vorne? Scheinbar kerzengerade geht es hinunter. Genau in diesem Augenblick, mit geweiteten Pupillen und deutlich erhöhtem Puls, muss ich an Fritz Gambs denken.

Der Chef der Bergbahnen hat mir zuvor bei einem Kaffee erzählt, wie alles begann. Schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es eine Sommerrodelbahn auf der Turrach. Allerdings handelte es sich dabei um ein recht originelles Konstrukt, das der damalige Besitzer in Eigenregie errichtet hatte.

Nocky Flitzer

Drei Kreisel, ein Zweifel

2005 erneuern die Bergbahnen die gesamte Anlage und eröffnen im Jahr darauf eine Kombi-Bahn mit Sessellift und Gondel. Aus der ersten vagen Idee einer neuen Sommerrodelbahn wird mehr. Ein „Alpine Coaster“, auf dem neuesten Stand der Technik und ganzjährig einsetzbar, sei für die Verhältnisse auf der Turrach eigentlich ideal, meinen die Experten. Eine der Herausforderungen: Als weltweit erste ihrer Art soll die Bahn drei Kreisel bieten. Nach Monaten der Planung und Errichtung kommt dann endlich der Moment der Wahrheit: Die TÜV-Überprüfung.

 Ein Monteur des Bahnherstellers und Fritz Gambs höchstpersönlich haben die ehrenvolle Aufgabe, die Bahn zu testen. Auf nasser Strecke. Natürlich getrennt voneinander und vor allem: Ohne zu bremsen. Das muss eine Anlage dieser Art gewährleisten. Dem erfahrenen Bergbahner steht im Ziel jedes Haar zu Berge. Die gute Nachricht aber ist: Der Mann vom TÜV erteilt ohne zu zögern die Freigabe. Ob das Abenteuer allerdings wirklich für ein breiteres Publikum geeignet ist?

Eröffnungstag, 15. August 2007. Die ersten zahlenden Gäste: Ein älteres Ehepaar. Er, um die 70, voran. Sie hintennach. Als die beiden im Ziel aus den Rodeln klettern, ruft die Lady ihrem Mann vorwurfsvoll zu: „Warum bist du nicht schneller gefahren?“ Da weiß Fritz Gambs, dass er mit seinem Team alles richtig gemacht hat.

Naja fast. Ein kleines Problem gibt es noch. Zwar nutzten immer mehr Väter mit ihren älteren Kindern den Nockyflitzer, doch die Mütter blieben mit den Kleineren lieber im Tal. Dahin der Gedanke an gemeinsame Ferientage. Oder doch nicht? Die Lösung nennt sich AlmZeit. Ein barrierefreies Areal für die ganze Familie hoch oben auf 2000 Metern Seehöhe. Man kann herumtoben und spielen, spazieren gehen, die Seele baumeln lassen – und: Man kann ausgezeichnet essen und trinken.

Die AlmZeit-Hütte spielt kulinarisch alle Stückerln. Das weiß ich, weil ich vor der Fahrt mit dem Nockyflitzer dort dreigängig gespeist habe. Eigentlich sind sogar mehr als drei Gänge zusammengekommen, denn die Kinderchen haben sich mit ihren Bestellungen mal wieder zu viel vorgenommen. Und ich gehöre zur letzten Generation, die noch ein schlechtes Gewissen hat, wenn der Teller nicht spiegelblank retour in die Küche kommt. Vielleicht hätte ich doch lieber ein paar Teller ungeleert zurück gehen lassen, denke ich mir, als mein Magen samt dem Rest des Körpers den ersten von zwei beachtlichen Sprüngen absolviert.

Ich bin kein Angsthase, ich bremse nur gern

Nachdem ich circa die Hälfte der Strecke gut überstanden habe, bemerke ich zweierlei: Vor mir sehe ich weit und breit niemanden mehr. Wo sind die Kinder? Habe ich als erfahrener Routinier zu viel Tempo rausgenommen? Ich denke kurz darüber nach. Dann geht es in den nächsten Kreisel.

 Ja, ich weiß: Man könnte rein theoretisch mit Vollgas ins Tal sausen. So wie es Fritz Gambs damals tun musste. Aber ganz unter uns: Ich mag bremsen. Sehr sogar. Ich wusste bis zu diesem Augenblick gar nicht, wie gut ich als Bremser eigentlich bin. Bevor ich allerdings über eine Karriere im Bobsport spekulieren kann, geht es noch einmal weitgehend ungebremst ordentlich bergab, dann kommen die ersten Schilder mit Hinweisen auf das Finale.

 Als ich unten ankomme, grinsen mich die zwei Mädchen an. „Papa, bitte noch eine Runde!“, begrüßt mich meine Tochter. „Ja, Onkel, komm!“, schließt sich die Cousine an. Ich zücke meine Geldbörse, lade die beiden auf eine Fahrt ein – und setze mich gemütlich in einen Liegestuhl in die Sonne. Das Leben kann so schön sein...

Oma Nocky Flitzer

Der Nocky Flitzer gehört mit einer Länge von 1,6 Kilometern, drei Kreiseln, zwei Jumps, 15 Wellen, einer Brücke und einem beachtlichen Gefälle zu den schönsten Anlagen dieser Art in Europa. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 40 km/h. Das Bremssystem entspricht höchsten Sicherheitsbestimmungen. Auf der Turrach hat sich die Bahn zu einer echten Attraktion entwickelt. Die Bergbahnen zählen rund 100.000 Fahrten im Sommer und 30.000 bis 40.000 im Winter. Ab einem Alter von drei Jahren können Kinder mit ihren Eltern rodeln. Mit einer Körpergröße von mindestens 1,25 Metern und einem Alter von 8 Jahren dürfen Kinder die Strecke auch alleine bewältigen. Ein Riesenspaß zu jeder Jahreszeit, nur große Schneemengen erzwingen manchmal eine kurze winterliche Pause. 

Servus, srecno, ciao und wir sehen uns auf der Turracher Höhe!

TEXT Wolfgang Kühnelt FOTOS Simone Attisani